Grund- und Gemeinschaftsschule Boostedt


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Bericht vom Ausflug des 8. und 9. Jahrgangs der GGS Boostedt zur Ausstellung „Echt Krass“ der Organisation „Petze“ in Kellinghusen

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Am Donnerstag, den 26.10.22 waren die Jahrgänge 8 und 9 der GGS Boostedt in Kellinghusen zur Ausstellung „Echt Krass". Diese Ausstellung, ausgerichtet von der Organisation „Petze", welche sich der präventiven Kinder- und Jugendarbeit widmet, richtet sich speziell an Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen und höher.
Die Klassen unserer Schule reisten im eineinhalbstunden Takt zu der Ausstellung und konnten dort interessante, lehrreiche und z.T. auch aufwühlende Eindrücke und Erfahrungen sammeln.
Die Ausstellung beschäftigt sich vorrangig mit sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen, mit sexualisierter Werbung und vielen weiteren Aspekten, denen Heranwachsende u.U. ausgesetzt sind. Die Ausstellung dient dabei dem Zweck, dass Jugendliche eigens erfahrene Situationen wieder erkennen und darauf adäquat reagieren oder sich in Situationen sexualisierter Bedrängnis behaupten können, in die sie vielleicht noch kommen.
Die Ausstellung bietet dabei viele verschiedene Lern- und Erfahrungswege an. Sie möchte auch, dass die Schülerinnen und Schüler untereinander während des Besuchs ins Gespräch kommen und die einzelnen Stationen aus ihrer Sicht beurteilen und diskutieren.

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Das Angebot reicht dabei von Hörbeispielen zu verschiedenen Situationen, in welche man z.B. in der ersten Beziehung rutschen kann. Unter anderem wurde hier dargestellt, ob die Drohung des ersten Freundes oder der ersten Freundin, bei Nichterfüllung sexueller Wünsche verlassen zu werden, einen Zwang nach sich zieht, den Wünschen des anderen zu entsprechen oder nicht. Des Weiteren gab es dazu Lauschkabinen, in denen Urteile gegen Jugendliche verlesen wurden, die andere zu sexuellen Handlungen nötigen wollten oder genötigt haben. Die Beispiele, im Zusammenhang mit der Urteilsverkündung, sollen die Jugendlichen darin bestärken eine Resilienz zu entwickeln, nicht jedem Drängen des Partners nachzugeben.
Zudem gab es kleine Warnfilme aus anderen Ländern, wie mit Internetpornographie von Jugendlichen umgegangen wird. Es gab Einschätzungsstellwände zu sexualisierter Werbung. Dabei war sehr interessant zu beobachten, dass es viele unterschiedliche Meinungen der Schülerinnen und Schüler gab, ob eine Werbung sexualisiert ist oder nicht. Hier haben besonders die begleitenden Lehrkräfte gemerkt, dass unsere Schülerinnen und Schüler ganz anders in Sachen Werbung sozialisiert wurden als wir, da sie viele dieser Werbungsangebote als völlig normal ansahen.
Ein weiterer Erfahrungsraum war die „Händebox". Eine ein Quadratmeter große Box war mit vielen Plastikhänden bestückt, welche in die Box rein ragten. Hier sollten die Besucher die Erfahrung machen, wie es sich wohl anfühlt, wenn man durch eine Menschenmenge geht und überall Hände an seinem Körper spürt. Diese „Erfahrung" verdeutlichte selbstverständlich, wie sich viele Mädchen und Frauen fühlen, wenn sie betatscht und gegen ihren Willen angefasst werden. Das war eine sehr unangenehme Erfahrung, aber auch sehr verdeutlichend. Eine weitere, gut gestaltete Wand war die Paragraphenwand. Hier waren verschiedene sexuelle Übergriffe auf Schiebetafeln aufgeführt und die Schülerinnen und Schüler mussten nun diese Verbrechen den jeweiligen Paragraphen zu ordnen und es war überraschend, wie ausformuliert die aufgezeigten sexuellen Vergehen bereits in den Wortlaut des Strafgesetzbuches eingeflossen sind.
Das einzige Manko der Ausstellung war, dass die Schülerinnen und Schüler schnell gemerkt haben, dass die sie älter ist, da teilweise noch Klapphandys auf einigen Vorlagen zu sehen war. Dies änderte jedoch nichts an der Aktualität der dort geschilderten Lebensumstände, in welche sich manche Jugendliche auch heute immer noch wiederfinden können.
Des Weiteren fehlten der Ausstellung Themen zu Erfahrungen der LGBTQ Community sowie die Auseinandersetzung mit genderspezifischen Themen.
Auf Nachfrage sagte uns eine Psychologin, welche die Ausstellung begleitet und eingreift, sollte sich eine Schülerin oder ein Schüler während der Erfahrungen vor Ort nicht gut fühlen, dass die Veranstalter schon dringenden Modernisierungsbedarf sehen, aber leider bisher keine Gelder vom Land oder dem Bund erhalten hätten, um diese Maßnahmen umsetzen zu können.
Unsere Jahrgänge haben sich intensiv mit dem Thema der Ausstellung beschäftigt und es entstanden viele Gespräche untereinander, aber auch mit den Lehrkräften und die Zeit während der Ausstellung verging sehr schnell, da das Thema die Schülerinnen und Schüler nun einmal persönlich berührt.
Wir als Grund- und Gemeinschaftsschule Boostedt bedanken uns auf jeden Fall bei den Veranstaltern für die gute Betreuung und die intensiven Erfahrungen, welche wir machen durften. Des Weiteren geht unser Dank an unsere Schulsozialarbeiterin Frau König, die den Kontakt zur „Petze" für uns hergestellt hat.
Wir können diese Ausstellung nur empfehlen.

(Olaf Lawrenz)

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